Filmplakat "Bonnie and Clyde".

Bankraub

Legendäre Räuber

Große Gangster können schon zu ihren Lebzeiten zur Legende werden. Oft werden ihnen sogar in Büchern und Filmen Denkmäler gesetzt.

Von Natalie Muntermann

Bonnie und Clyde

Als Liebes- und Gangsterpärchen waren Bonnie Parker und Clyde Barrow absolut medientauglich. Schon zu ihren Lebzeiten wurden sie in den 1930ern zu einem Mythos, der 1967 durch Arthur Penns Film "Bonnie and Clyde" neu belebt wurde.

Anders als im Film waren sie allerdings nicht für spektakuläre Banküberfälle bekannt, sondern wurden wegen zahlreicher anderer Delikte gesucht.

Zu Zeiten der Weltwirtschaftskrise, Ende der 1920er bis Anfang der 1930er-Jahre, mischten die Kellnerin Bonnie, der Kleinganove Clyde und ihre Gang den Mittleren Westen der USA gehörig auf.

Sie begingen zahlreiche Einbrüche in Texas, Oklahoma, Louisiana, Missouri und Arkansas, überfielen Händler, klauten Autos – auf ihr Konto gingen sogar Entführungen und Morde. Eine Menge Straftaten also. Dazu kamen vier Banküberfälle der nach Clyde benannten Barrow-Gang.

Die Bande sorgte für Schlagzeilen, indem sie die neuesten Ford-Modelle klaute und als Fluchtwagen benutzte, sich Verfolgungsjagden mit der Polizei lieferte, diese immer wieder austrickste und über die Grenzen der Bundesstaaten entwischte.

Die amerikanische Bundespolizei FBI schaltete sich schließlich 1932 ein. Es begann eine überregionale Jagd auf Bonnie Parker und Clyde Barrow. Am 23. Mai 1934 wurden die beiden dann in einem Polizeihinterhalt bei Sailes in Louisiana erschossen.

Schwarzweiß-Foto: Bonnie und Clyde posieren

Bonnie und Clyde im realen Leben

Der Mythos Bonnie und Clyde nährt sich insbesondere durch die romantische Aura, die das Paar als Liebende und Gangster zugleich umgab, durch ihre Alles-oder-Nichts-Einstellung und durch die langjährige Suche und spektakuläre Jagd auf sie, bei der das Paar die Polizei immer wieder austrickste.

Zahlreiche Bücher, der Kinofilm von Arthur Penn, das Lied "Bonnie and Clyde" von Serge Gainsbourg und Brigitte Bardot sowie "Bonnie und Clyde" von den Toten Hosen haben den Mythos von Bonnie und Clyde bis heute lebendig gehalten.

Der Ford Sedan, in dem die beiden erschossen wurden, steht übrigens heute im Foyer eines Hotels in Stateline, Nevada.

Warren Beatty und Faye Dunaway in "Bonnie and Clyde" (1967)

Warren Beatty und Faye Dunaway in "Bonnie and Clyde" (1967)

Franz und Erich Sass

Safeknacken war die Spezialität der Brüder Franz und Erich Sass aus Berlin. Die beiden gehörten nicht nur zu den populärsten Ganoven der 1920er-Jahre – sie waren die ersten berühmten Bankräuber überhaupt in Deutschland.

Ihr Meisterstück war 1929 der Einbruch bei der Disconto-Gesellschaft am Berliner Wittenbergplatz: In wochenlanger Vorarbeit hatten die Sass-Brüder vom Keller eines Nachbarhauses aus einen Tunnel zum Luftschacht des Tresorraums gebaut. Von dort aus hatten sie Zugang zur Silberkammer und dem eigentlichen Tresor, in dem sich 181 Kundensafes befanden.

Wie hoch die erbeutete Summe war, wurde nie ganz geklärt – von zwei Millionen Reichsmark ist die Rede.

Von Anfang an wurden die Brüder verdächtigt, die Polizei konnte ihnen aber nichts nachweisen. Zu professionell waren sie vorgegangen, und so musste man sie wieder freilassen. Denn dieser Coup zeichnete sich, typisch Sass, durch Perfektion aus: profunde Ortskenntnis, intelligente Planung, saubere Durchführung. Ihr Vorsprung war die Beherrschung einer damals neuen Technik: des Schneidbrenners.

Einbruchsausrüstung der Brüder Sass, aufgenommen 1955

Einbruchsausrüstung der Brüder Sass

Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 verließen die Brüder Deutschland und gingen nach Dänemark. Wegen einer gefälschten Aufenthaltserlaubnis wurden die dänischen Behörden 1934 auf sie aufmerksam.

Schließlich wurden gestohlene Gegenstände bei ihnen gefunden, man konnte ihnen erstmals Einbrüche nachweisen. Nach ihrer Verhaftung wurden sie nach Deutschland abgeschoben, an die Gestapo ausgeliefert und schließlich im März 1940 im Konzentrationslager Sachsenhausen erschossen.

Paul Gurks Roman "Tresoreinbruch" setzte den Brüdern bereits 1934 ein literarisches Denkmal. Erich Kästner ließ sich von ihnen für "Emil und die Detektive" inspirieren. 2001 wurde ihre Lebensgeschichte verfilmt. Die Hauptrollen spielten Ben Becker und Jürgen Vogel.

Die Schauspieler Ben Becker und Jürgen Vogel als die Brüder Sass.

Ben Becker und Jürgen Vogel als Sass-Brüder im Spielfilm von 2001

Ronnie Biggs

Als 16 Männer 1963 in England den Postzug Glasgow-London überfielen und dabei die Riesensumme von 2,6 Millionen Pfund erbeuteten, gelang ihnen ein Coup, der bis heute die Fantasie vieler Menschen bewegt.

Ohne Waffen stoppten die Männer um den Zimmermann Ronald Biggs den Zug in den frühen Morgenstunden des 8. August 1963. Sie zwangen den Lokführer, auf eine Brücke zu fahren und luden das Geld aus den Waggons auf drei unter der Brücke wartende Lastwagen um.

Die minutiös geplante Tat dauerte gerade eine Viertelstunde, der Lokführer wurde mit einer Eisenstange schwer verletzt. Man fasste die Bande nach und nach, Ronald Biggs im Jahr 1965. Er wurde zu 30 Jahren Gefängnis verurteilt.

Biggs' Aufsehen erregende Flucht nach 15 Monaten Haft machte den "Großen Postraub" dann endgültig zum Mythos: Biggs gelang mit einer einfachen Strickleiter die Flucht aus dem Gefängnis.

Er flüchtete über Frankreich, wo er sich sein Gesicht operieren ließ, und Panama bis nach Brasilien. Als ihn 1974 ein Fahnder in Rio de Janeiro ausfindig machte, hatte sich Biggs abgesichert: Seine brasilianische Freundin war schwanger und als künftiger Vater eines brasilianischen Kindes durfte er nicht ausgeliefert werden.

Biggs lebte über 30 Jahre lang in Brasilien in Saus und Braus. Er war Gast in zahlreichen TV-Shows, gab Parties und war der Liebling der High Society von Rio. Welchen Kultstatus der Ex-Gangster auch in Deutschland erreichte, zeigt der Besuch der Toten Hosen 1989 in Rio, die er zu dem Titel "Carnival in Rio" inspirierte. Ronnie Biggs, der Superstar!

Ronnie Biggs posiert mit seinem Fahndungsplakat.

Ronnie Biggs spielte gerne mit seinem Image

Im Jahr 2001 überkam ihn, mittlerweile über 70 Jahre alt und schwer krank, das Heimweh. Er stellte sich den Behörden in England. Wieder war der Medienrummel groß. Zunächst saß der inzwischen teilweise gelähmte Biggs einen Teil seiner 30-jährige Haftstrafe in London ab. 2009 wurde Biggs aus Gesundheitsgründen vorzeitig entlassen. Vier Jahre später starb er im Alter von 84 Jahren in London.

(Erstveröffentlichung 2004. Letzte Aktualisierung 03.01.2018)

Quelle: WDR

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